Biographien

Was bleibt nach dem Tod vom Leben? Mit dieser Frage sahen sich die Menschen, denen wir uns hier widmen, in einer ganz besonderen Weise konfrontiert. Denn ihnen war die Möglichkeit genommen, Vorkehrungen für die Verfügung über ihren Körper nach ihrem Ableben zu treffen. Ihr Leichnam wurde in die Tübinger Anatomie verbracht, ohne dass sie zu Lebzeiten ihre Zustimmung dazu gegeben hatten.

Überlieferte Quellen

Was bleibt nach dem Tod vom Leben? Für die Rekonstruktion ihrer Lebensgeschichten ist diese Frage ganz entscheidend. Oft haben die Menschen, die im Gräberfeld X bestattet wurden, nur wenige schriftliche Zeugnisse von sich selbst hinterlassen. Im besten Fall sind uns persönliche Briefe überliefert, die uns an ihren Gedanken teilhaben lassen und uns einen Einblick in ihr Leben erlauben.

Wir hoffen, diese Zeugnisse mithilfe von Nachfahren zu ergänzen, denn auf Zeitzeugen, die sie selbst noch gekannt haben, können wir nach so langer Zeit wohl nicht mehr zurückgreifen.

Oft müssen wir ihre Lebensgeschichten daher aus Akten von Behörden rekonstruieren, die als disziplinarische Einrichtungen in das Leben dieser Menschen eingegriffen haben: Richter, Justizvollzugsangestellte, Wehrmachtsstellen, Pflegerinnen und Pfleger sowie Ärztinnen und Ärzte in Heil- und Pflegeanstalten oder Lazaretten. Das Abhängigkeitsverhältnis, das zwischen diesem Personal auf der einen Seite sowie den Angeklagten, Inhaftierten, Gefangenen und Insassen auf der anderen Seite herrschte, schrieb sich auch in die Schriftstücke ein, die uns überliefert wurden. Sie entstanden zudem nicht im »normalen« Leben der Menschen, sondern in einem Ausnahmezustand. Ein Mensch hatte ein Verbrechen begangen, war krank oder hilfsbedürftig geworden oder in Kriegsgefangenschaft geraten.

Unsere Aufgabe

Was bleibt also nach dem Tod vom Leben? Wir haben nur fragmentarische Geschichten, die wir zu einem Bild zusammenzusetzen versuchen – zum Gedenken und zum Nachdenken.

Alle Biographien

Kein Portraitfoto vorhanden

Schichamir Gadirowitsch Gadirow

Muslimischer Kriegsgefangener aus dem Kaukasus, starb unter umgeklärten Umständen und wurde möglicherweise von der SS ermordet.

geboren:
1902 in Inguschetien
gestorben:
12.06.1942 in Stetten am kalten Markt (Lager Heuberg)
Staatsangehörigkeit:
Russland
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Sedrak Semjonowitsch Awedisjan

Sowjetischer Kriegsgefangener, der während seiner Gefangenschaft sehr oft verlegt wurde. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs verwendeten Tübinger Anatomen noch seine Leiche.

geboren:
1904 in Chando
gestorben:
22.11.1943 in Tübingen (Lazarett)
Staatsangehörigkeit:
Armenien
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Theodor Moonen

Niederländisches Opfer der NS-Justiz.

geboren:
15.06.1899 in Haaren
gestorben:
08.03.1944 in Stuttgart
Staatsangehörigkeit:
Niederlande
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Friedrich »Fritz« Rahkob

Kommunistischer Widerstandskämpfer und Opfer der NS-Justiz.

geboren:
25.07.1885 in Rotthausen
gestorben:
24.08.1944 in Stuttgart
Staatsangehörigkeit:
Deutschland
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Konstantin Sergejewitsch Andrejew

Sowjetischer Kriegsgefangener, als Zwangsarbeiter bei der Firma Maybach in Friedrichshafen eingesetzt, an Lungentuberkulose verstorben.

geboren:
19.10.1903 in Kasan (Russland)
gestorben:
19.05.1943 in Tübingen
Staatsangehörigkeit:
Russland
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Theodor Kalymon

Ukrainischer Zwangsarbeiter, denunziert und von der Gestapo erhängt.

geboren:
23.09.1922 in Novosilky-Hostynni (bei Lwiw)
gestorben:
12.05.1943 in Kusterdingen
Staatsangehörigkeit:
Ukraine
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Balthasar Kirchberger

Ehemaliger Soldat, wegen »Wehrkraftzersetzung« zum Tode verurteilt.

geboren:
06.01.1895 in Hofreuth (Oberbayern)
gestorben:
16.02.1944 in Stuttgart
Staatsangehörigkeit:
Deutschland