Konstantin Sergejewitsch Andrejew

Portraitfoto
geboren:
19.10.1903 in Kasan (Russland)
gestorben:
19.05.1943 in Tübingen
Staatsangehörigkeit:
Russland
Gruppenzugehörigkeit:
Kriegsgefangene

Konstantin Sergejewitsch Andrejew kam am 19. Oktober 1903 in Kasan an der Wolga zur Welt. Er gehörte der russischen Volksgruppe an, war orthodoxer Christ und erlernte den Beruf des Metalldrehers. Im Krieg diente er als einfacher Soldat in der 248. Schützen-Division der Roten Armee, die damals der 6. Armee unter Generalleutnant Awksenti M. Gorodnjanski unterstellt war.

Die zweite Schlacht um Charkow

Am 27. Mai 1942 geriet Konstantin Andrejew in Charkow im Nordosten der Ukraine in Kriegsgefangenschaft. Seine Gefangennahme erfolgte im Rahmen der Zweiten Schlacht um Charkow, die vom 12. bis zum 28. Mai 1942 andauerte. Diese Schlacht fügte sich in eine ganze Reihe von sowjetischen Offensivoperationen ein, welche die Rote Armee im Anschluss an die deutsche Niederlage vor Moskau ab dem Winter 1941 unternommen hatte. Die Rückeroberung Charkows war für die Rote Armee von großer strategischer Bedeutung, da es sich um einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt und Rüstungsstandort handelte. Für die Offensive am 12. Mai 1942 boten die sowjetischen Streitkräfte etwa 380 000 Soldaten auf, doch sie konnten ihr Ziel nicht erreichen. Denn die Wehrmacht hatte zum Zeitpunkt der sowjetischen Offensive schon längst Vorbereitungen für die Eroberung des Kaukasus getroffen. Diese deutsche Angriffsoperation sollte auch aus dem Raum Charkow heraus erfolgen. So setzte bereits am 17. Mai eine deutsche Gegenoffensive ein, der die Rote Armee nur wenige Tage standhalten konnte. Die Befreiung Charkows war vorerst gescheitert. Am Ende waren neben Konstantin Andrejew rund 240 000 sowjetische Soldaten in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten. Andrejew hatte noch Glück, denn eine Verwundung war ihm erspart geblieben. Er ging gesund in die Gefangenschaft.

Andrejews Einheit

Bei der 248. Schützendivision handelte es sich um eine Neuaufstellung, nachdem die ursprüngliche Einheit 1941 bei Wjasma in der Nähe von Smolensk vernichtet worden war. Sie wurde in Astrachan im Stalingrader Militärdistrikt, etwa 1000 km Luftlinie von Andrejews Geburtsort Kasan, aufgestellt. Ihr gehörten nun zu 60 Prozent Russen und zu 40 Prozent Kirgisen und Kalmüken an. Fast 90 Prozent der Soldaten dieser Division waren 39 oder 40 Jahre, und auch Andrejew gehörte mit seinen 38 Jahren zu dieser Altersgruppe. Andrejews Einheit war folglich weder kampferprobt, noch scheint sie besonders kampfkräftig gewesen zu sein. Sie wurde auch erst wenige Wochen vor Beginn der sowjetischen Offensive auf Charkow an die »Südwestfront« verlegt und dort in Reserve gehalten. Am 14. Mai befand sich Andrejews Einheit noch 20 bis 40 km hinter der Frontlinie, was ein Eingreifen in die Kämpfe schwierig machte. Die anfänglichen Erfolge der Roten Armee konnten so nicht ausgenutzt werden, zumal weitere militärische Versäumnisse hinzutraten. Um den 24. Mai, als die Wehrmacht die sowjetischen Streitkräfte bereits eingekesselt hatte, wurde auch die 248. Schützendivision in Abwehrkämpfe verwickelt. Zwei Tage später sah die Wehrmacht den Widerstand als gebrochen an.

In Kriegsgefangenschaft

Wie es Konstantin Andrejew in den ersten Wochen seiner Gefangenschaft erging, wissen wir nicht. Am 5. Juli 1942 erreichte er mit dem 12. Sowjetischen Kriegsgefangenentransport Gambsheim, das im nördlichen Elsass in unmittelbarer Nähe zum Rhein gelegen ist. Gut einen Monat später, am 8. August, kam er für wenige Tage in das Lager Straßburg. Schon am 21. August wurde er ins Lager Malschbach verlegt. Dieses Stammlager (Stalag) V C befand sich in der Nähe von Baden-Baden. Am 11. September erfolgte die Überstellung in das Stalag V B, dessen Hauptsitz in Villingen lag.

Zwangsarbeit in Friedrichshafen

Ab dem 21. September 1942 wurde er im Maybach Motorenbau in Friedrichshafen eingesetzt. Dieses 1909 von Wilhelm Maybach und Ferdinand Graf von Zeppelin gegründete Unternehmen produzierte im Dritten Reich Motoren für Panzer und Jagdflugzeuge. Es wurde damals von Karl Maybach geleitet, der zugleich seit 1937 als »Wehrwirtschaftsführer« fungierte. Andrejew war einer der ersten sowjetischen Kriegsgefangenen, die in diesem Rüstungsbetrieb zum Einsatz kamen. Als Metalldreher war er zweifellos fachlich qualifiziert. Dennoch nahm die Betriebsführung schnell wieder Abstand von der Beschäftigung der ausgemergelten Rotarmisten. Im weiteren Kriegsverlauf griff Maybach auf Zwangsarbeiter zurück, die die Deutschen aus der Ukraine und Zentralrussland verschleppt hatten.

Krankheit und Tod

Auch Konstatin Andrejew erkrankte aufgrund der Lebens- und Arbeitsbedingungen rasch. Dies geschah wohlgemerkt zu einer Zeit, als auch die Deutschen erkannt hatten, dass sie die Rotarmisten besser verpflegen mussten, um sie effizient ausbeuten zu können. Am 17. März 1943 musste Andrejew ins Lazarett in Ehingen eingeliefert werden, einen Monat später folgte die Verlegung nach Tübingen ins dortige Lazarett. Hier verstarb er am 19. Mai 1943. Laut seiner Personalkarte erlag er einer Lungentuberkulose. Diese Krankheit trifft vor allem Menschen, deren Situation von schlechten Wohnverhältnissen und unzureichender Ernährung gekennzeichnet ist. Konstantin Sergejewitsch Andrejew wurde 39 Jahre alt.