Friedrich »Fritz« Rahkob

Portraitfoto
geboren:
25.07.1885 in Rotthausen
gestorben:
24.08.1944 in Stuttgart
Staatsangehörigkeit:
Deutschland
Gruppenzugehörigkeit:
Hingerichtete

Fritz Rahkob wurde am 25. Juli 1885 in Rotthausen, seit 1924 ein Stadtteil von Gelsenkirchen, geboren. Er stammte aus einfachen Verhältnissen und arbeitete früh als Bergmann auf verschiedenen Zechen. Mit 26 Jahren heiratete er Emma Ibens, die ebenfalls aus der Gemeinde Rotthausen stammte. Das Paar hatte bald zwei Kinder, Ferdinand und Irmgard. Im Ersten Weltkrieg war Rahkob für zwei Jahre Soldat, bis er dann zum heimischen Bergbau zurückbeordert wurde.

Politisches Engagement

Im November 1918 schloss Rahkob sich dem Soldatenrat in Rotthausen an, seit 1920 war er Mitglied der KPD und später Teil der »Revolutionären Gewerkschaftsopposition«. Insgesamt prägten klare politische Überzeugungen das Leben der Familie Rahkob. Infolge eines schweren Unfalls zum Berginvaliden geworden, fand er Ende 1920 eine neue Arbeit bei der kommunistischen Zeitung »Ruhr-Echo«.

1929 zog die Familie in das neu errichtete »Volkshaus« der KPD in der Gelsenkirchen-Schalker Steinmetzstraße, der heutigen Liebfrauenstraße. Hier befand sich auch das Parteilokal. Dieser Genossenschaftsbau war mit großem Engagement seiner aktiven Mitglieder ermöglicht worden. Auch der Name Rahkob taucht hier mehrfach in den Unterlagen auf.

Das nach dem Krieg wieder errichtete Volkshaus der KPD in der heutigen Liebfrauenstraße/Ecke Grenzstraße, 1961. Bild: ISG

Widerstand und Verfolgung im »Dritten Reich«

Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten befanden sich die Bewohner und Bewohnerinnen des Volkshauses, die kommunistischen Aktivisten und damit auch die Familie Rahkob sofort im Visier der Staatsmacht.

Fritz und Emma Rahkob, aber auch ihr Sohn Ferdinand kamen schon im August 1933 für viele Monate in Untersuchungshaft und alle drei wurden zu mehrjährigen Gefängnis- und Zuchthausstrafen verurteilt, da ihnen »Vorbereitung zum Hochverrat« vorgeworfen wurde. Im Juni 1936, er war etwas mehr als ein Jahr aus dem Gefängnis heraus, wurde Fritz Rahkob erneut verhaftet. Dieses Mal kam er in das neu errichtete Konzentrationslager Sachsenhausen, das als »Schutzhaftlager« diente. Nach seiner Entlassung zweieinhalb Jahre später musste er sich regelmäßig bei der Polizei melden. Fritz Rahkob wurde als Hilfsarbeiter abgeordnet und Arbeitsplatzwechsel, Drangsal und Verfolgung prägten fortan den Alltag der Familie. In dieser Zeit wurde der Sohn Ferdinand an die Front geschickt, die Tochter Irmgard starb mit 23 Jahren an einer Lungenentzündung.

Widerständigkeit trotz aller Gefahren

Trotz möglicher Gefahren und Polizeiaufsicht entschloss sich Rahkob, den Kommunisten Franz Zielasko zu unterstützen, der – aus der Sowjetunion kommend – die KPD im Ruhrgebiet neu aufzubauen versuchte. Rahkob stellte Kontakte zu Gleichgesinnten her und gab Zielasko Geld für Nahrungsmittel. Zielasko wurde aber frühzeitig entdeckt, im August 1943 verraten und einige Tage später unter Folter ermordet. Die Gestapo verhaftete insgesamt 44 Personen der »Zielasko-Gruppe«, viele von ihnen wurden vor dem Volksgerichtshof in München, zwei vor dem Volksgerichtshof in Nürnberg zum Tode verurteilt.

Prozess gegen Fritz Rahkob

Fritz Rahkob war zunächst für sechs Monate in Gelsenkirchen in Untersuchungshaft, im Februar 1944 kam er in das Gefängnis Amberg zur Hauptverhandlung vor dem Volksgerichtshof in Nürnberg. Am 20. Juni 1944 wurde er wegen »Vorbereitung zum Hochverrat in Verbindung mit Feindbegünstigung« zum Tode verurteilt. Nach der Urteilsverkündung wurde Fritz Rahkob in das Gefängnis Stuttgart gebracht. Dort wurde am 24. August 1944 das Todesurteil vollstreckt. Fritz Rahkob starb im Alter von 59 Jahren, die Gnadengesuche seiner Familie waren abgelehnt worden.

Einlieferung in die Anatomie und Überführung nach Gelsenkirchen

Am Tag seiner Hinrichtung wurde Emma Rahkob verhaftet und in Schutzhaft genommen, sie erlebte im April 1945 ihre Befreiung vom Nationalsozialismus. Auch Sohn Ferdinand überlebte das »Dritte Reich«. Gemeinsam mit der »Vereinigung Ehemaliger Politischer Gefangener« in Gelsenkirchen organisierten sie die Rückholung von Fritz Rahkob in die Bergarbeiterstadt, nachdem sie in Erfahrung gebracht hatten, dass seine Leiche noch in der Anatomie der Universität Tübingen lag. Im März 1947 wurde sie im Krematorium in Reutlingen eingeäschert.

Eintrag im Leichenbuch der Tübinger Anatomie. Bild: UAT 174/37

Die Familie brachte seine Asche nach Gelsenkirchen-Rotthausen, und zusammen mit der »Vereinigung Ehemaliger Politischer Gefangener« bestattete sie ihn im September 1947 auf dem »Urnenfeld für proletarische Freidenker« des Rotthausener Friedhofs.

Das Urnenfeld für proletarische Freidenker in Gelsenkirchen-Rotthausen. Bild: ISG, Karlheinz Rabas

Das Foto von Emma Rahkob – in der Mitte von fünf Frauen, deren Ehemänner ebenfalls von den Nationalsozialisten ermordet worden waren – entstand vermutlich bei der Bestattung.

Emma Rahkob in der Mitte, September 1947. Bild: ISG

Seit dem 30. Januar 1987 erinnert der »Fritz-Rahkob-Platz« in der Gelsenkirchener Altstadt an den einstigen kommunistischen Widerstandskämpfer. Eine Erinnerungsorte-Tafel erzählt über sein Leben.

Gastautorin: Dr. Sabine Kittel, Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen

März 2021