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1916 – 1941

Hans Belschner

»Ich wäre der beste Kerl, wenn ich irgendwo wäre, wo ich persönlich und nicht geschäftlich behandelt würde.«

Das Leben von Hans Belschner endete am 14. Oktober 1941 um 5 Uhr in Schwäbisch Hall. Er starb mit gerade einmal 25 Jahren an einer »Gehirnhautentzündung«. So steht es jedenfalls im Leichenbuch der Tübinger Anatomie. Dorthin brachte man ihn schon einen Tag nach seinem Tod. [...]

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1902 – 1942

Schichamir Gadirowitsch Gadirow

Muslimischer Kriegsgefangener aus dem Kaukasus, starb unter umgeklärten Umständen und wurde möglicherweise von der SS ermordet.

Schichamir Gadirow wurde 1902 geboren. Wir kennen sein genaues Geburtsdatum nicht, wie bei einigen der sowjetischen Kriegsgefangenen. Er stammte aus der kleinen Region Inguschetien, die sich im Nordkaukasus befindet. Die Menschen dort gehörten und gehören bis heute überwiegend dem Islam an, so auch Schichamir Gadirow. [...]

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1904 – 1943

Sedrak Semjonowitsch Awedisjan

Sowjetischer Kriegsgefangener, der während seiner Gefangenschaft sehr oft verlegt wurde. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs verwendeten Tübinger Anatomen noch seine Leiche.

Sedrak Semjonowitsch Awedisjan wurde im Jahr 1904 in der kleinen Gemeinde Chando, im Gebiet Achalkalaki geboren. Das liegt heute im Südwesten Georgiens rund 50 Kilometer entfernt von der türkischen Grenze. Sein genaues Geburtsdatum ist uns unbekannt. Als Nationalität wurde auf seiner von der Wehrmacht angelegten [...]

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Das Projekt »Gräberfeld X«

Welche Rolle hatte die Tübinger Anatomie im NS-System? Wer waren die Menschen, die zwischen 1933 und 1945 nach ihrem Tod in das Institut der Universität für Forschung und Lehre verbracht wurden? Wie lässt sich das Gräberfeld X, auf dem sie auf dem Stadtfriedhof anonym bestattet wurden, in der städtischen Erinnerungsarbeit angemessen und produktiv verankern? Diese Fragen begleiten das gemeinsame Forschungsprojekt von Stadt und Universität Tübingen seit dessen Beginn am 1. Januar 2020.

Das Gräberfeld X

Das Gräberfeld X des Tübinger Stadtfriedhofs diente dem Anatomischen Institut von 1849 bis 1963 als Begräbnisstätte. Seit 1952 gestaltete es die Stadt Tübingen in verschiedenen Phasen zu einem Gedenkort um, an dem die Toten ewiges Ruherecht haben. Denn im Gräberfeld X liegen mehrere hundert Opfer der NS-Gewaltherrschaft begraben. Sie stammen nicht nur aus Deutschland, sondern aus weiten Teilen Mittel- und Osteuropas: Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter*innen, Opfer der NS-Justiz. 1990 stiftete auch die Universität einen Gedenkstein, nachdem die Präparate von möglichen NS-Opfern, die bis dahin noch in der Anatomie und anderen medizinischen Sammlungen vorhanden waren, ebenfalls dort bestattet worden waren.

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Das Gräberfeld X als physischer und symbolischer Ort

Das bedeutet: Das Gräberfeld X ist sowohl ein physischer als auch ein symbolischer Ort. Symbolisch steht das Gräberfeld X als Denkmal für die NS-Opfer und als Mahnmal für die NS-Gewaltherrschaft. Als physischer Ort erinnert es auch an jene Menschen, die zwar keine Opfer des NS-Unrechtssystems geworden sind, aber Betroffene einer Jahrhunderte alten Praxis der anatomischen Leichenbeschaffung waren, die die Würde und das Selbstbestimmungsrecht dieser Menschen nicht achtete. Es waren mittellos Verstorbene, durch Suizid aus dem Leben Geschiedene, Hingerichtete sowie zu Tode gekommene Insassen von Heil- und Pflegeanstalten, sogenannten „Arbeitshäusern“, Gefängnissen. Keine und keiner von ihnen kam freiwillig in die Tübinger Anatomie, niemand wurde gefragt, ob er damit einverstanden war, dass sein Körper seziert oder zur Herstellung von Präparaten genutzt wurde.

Ziele

Wir wollen diesen Menschen ihre Lebensgeschichte und ihren Namen zurückgeben – soweit die Quellen dies zulassen. Auf dieser Homepage werden wir laufend über unsere Arbeit informieren, um die Erinnerung an die Toten auch auf diesem Weg im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Wir hoffen so auch Nachfahren der Verstorbenen zu erreichen und freuen uns über jeden Hinweis und jede Auskunft zu den Toten.

Träger

Träger des Projekts sind die Universität Tübingen und die Universitätsstadt Tübingen.

Aktuelles

19.10.2021
Wir möchten hiermit auf den Vortrag des bekannten Historikers und Wehrmachtsforschers Hannes Heer am 26. Oktober 2021 um 18.15 Uhr in der Alten Aula in Tübingen [...]
14.10.2021
Auf HSozKult ist nun der Bericht zur Tagung »Kriegsgefangenschaft. Russische und sowjetische Erfahrungen im 20. Jahrhundert« erschienen. Axel Bangert vom Fritz-Bauer-Institut vermittelt einen konzisen Überblick [...]
17.07.2021
Zusammen mit unserem Kommunikationsdesigner Matthias Lehr entwickeln wir nun eine Personendatenbank für unsere Homepage. Künftig kann dort nicht nur nach Personen gesucht werden, die während [...]