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1876 – 1940

Karl Christian Mausser

Ein Leben geprägt von Armut, Wanderschaft und Kriminalisierung, das durch eine Erbschaft 1930 eine Wende zum Besseren hätte nehmen können.

Am 23. September 1940, kurz vor 11 Uhr, trug der Küchenwachtmeister des Arbeitshauses Vaihingen dem Insassen Christian Mausser auf, zwei Fensterrahmen in die Schreinerei zu bringen. Die Ausführung der Aufgabe dauerte lange – zu lange in den Augen des Aufsehers. Er machte sich auf die [...]

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1925 – 1942

Jan Budzyń

Der 16-jährige Zwangsarbeiter aus Polen wurde auf Anordnung Heinrich Himmlers von der Gestapo erhängt.

Jan Budzyń, Taufname Joannes, wurde am 4. Juli 1925 als ältestes Kind einer Bauernfamilie im polnischen Karpatenvorland unweit von Rzeszów geboren. Es ist anzunehmen, dass er im elterlichen Landwirtschaftsbetrieb mithalf. Mit Kriegsbeginn und der deutschen Besetzung Polens wurde seine Heimat dem nun geschaffenen Generalgouvernement zugerechnet. [...]

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1922 – 1943

Herbert Lamboy

Herbert Lamboys früher Tod war mit Sicherheit nicht das Ergebnis eines »Unglücksfalles«, wie die Angehörigen im Sterbezettel verständlicherweise die wahren Hintergründe schamhaft zu verhüllen suchten.

  Finster drohend steht die Guillotine im Lichthof des Stuttgarter Justizgebäudes vor dem zwanzigjährigen Verurteilten an jenem frühen Morgen des 17. April 1943. Irgendwann innerhalb der letzten drei Tage ist dem gebürtigen Westerwälder Herbert Lamboy die bevorstehende Vollstreckung der Todesstrafe für 5 Uhr angekündigt worden. [...]

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1862 – 1938

Wilhelm Heinrich Sutter

»Die Zukunft macht ihm wenig Sorgen. Außer seiner möglichst baldigen Freiheit äußert er keine Wünsche«.

Schwierige Verhältnisse Wilhelm Heinrich Sutter wurde am 7. Februar 1862 in Murrhardt, einer Kleinstadt im Schwäbisch-Fränkischen Wald nordöstlich von Stuttgart, geboren, von wo auch beide Eltern stammten. Er hatte sieben Geschwister, von denen drei bereits früh verstarben. Die familiären Verhältnisse, in denen er aufwuchs, waren [...]

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1898 – 1943

Antoni Mydyński

Antoni Mydyński war ein Zwangsarbeiter aus dem Westen der Ukraine, der im Amtsgericht nach Schlägen eines Wärters starb. Die Todesursache wurde vertuscht und erst nach 1945 aufgeklärt.

Der Zwangsarbeiter Antoni Mydyński starb am 28. Februar 1943 im Tuttlinger Amtsgerichtsgefängnis nach Schlägen, die ihm der Gefängniswärter Eugen Stooss beigebracht hatte. Als Todesursache meldete der Amtsgerichtsdirektor Karl Hirzel, der für das Gefängnis verantwortlich war, an das Standesamt einen Sturz auf einen Ofen und damit [...]

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Das Projekt »Gräberfeld X«

Welche Rolle hatte die Tübinger Anatomie im NS-System? Wer waren die Menschen, die zwischen 1933 und 1945 nach ihrem Tod in das Institut der Universität für Forschung und Lehre verbracht wurden? Wie lässt sich das Gräberfeld X, auf dem sie auf dem Stadtfriedhof anonym bestattet wurden, in der städtischen Erinnerungsarbeit angemessen und produktiv verankern? Diese Fragen begleiten das gemeinsame Forschungsprojekt von Stadt und Universität Tübingen seit dessen Beginn am 1. Januar 2020.

Das Gräberfeld X

Das Gräberfeld X des Tübinger Stadtfriedhofs diente dem Anatomischen Institut von 1849 bis 1963 als Begräbnisstätte. Seit 1952 gestaltete es die Stadt Tübingen in verschiedenen Phasen zu einem Gedenkort um, an dem die Toten ewiges Ruherecht haben. Denn im Gräberfeld X liegen mehrere hundert Opfer der NS-Gewaltherrschaft begraben. Sie stammen nicht nur aus Deutschland, sondern aus weiten Teilen Mittel- und Osteuropas: Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter*innen, Opfer der NS-Justiz. 1990 stiftete auch die Universität einen Gedenkstein, nachdem die Präparate von möglichen NS-Opfern, die bis dahin noch in der Anatomie und anderen medizinischen Sammlungen vorhanden waren, ebenfalls dort bestattet worden waren.

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Das Gräberfeld X als physischer und symbolischer Ort

Das bedeutet: Das Gräberfeld X ist sowohl ein physischer als auch ein symbolischer Ort. Symbolisch steht das Gräberfeld X als Denkmal für die NS-Opfer und als Mahnmal für die NS-Gewaltherrschaft. Als physischer Ort erinnert es auch an jene Menschen, die zwar keine Opfer des NS-Unrechtssystems geworden sind, aber Betroffene einer Jahrhunderte alten Praxis der anatomischen Leichenbeschaffung waren, die die Würde und das Selbstbestimmungsrecht dieser Menschen nicht achtete. Es waren mittellos Verstorbene, durch Suizid aus dem Leben Geschiedene, Hingerichtete sowie zu Tode gekommene Insassen von Heil- und Pflegeanstalten, sogenannten „Arbeitshäusern“, Gefängnissen. Keine und keiner von ihnen kam freiwillig in die Tübinger Anatomie, niemand wurde gefragt, ob er damit einverstanden war, dass sein Körper seziert oder zur Herstellung von Präparaten genutzt wurde.

Ziele

Wir wollen diesen Menschen ihre Lebensgeschichte und ihren Namen zurückgeben – soweit die Quellen dies zulassen. Auf dieser Homepage werden wir laufend über unsere Arbeit informieren, um die Erinnerung an die Toten auch auf diesem Weg im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Wir hoffen so auch Nachfahren der Verstorbenen zu erreichen und freuen uns über jeden Hinweis und jede Auskunft zu den Toten.

Träger

Träger des Projekts sind die Universität Tübingen und die Universitätsstadt Tübingen.

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Vergangenen Freitag (den 7. August 2026)  haben die Studierenden der Universität Tübingen, die im letzten Jahr gemeinsam einen Audiowalk von der Alten Anatomie bis zum [...]
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